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Training für die Mountain Attack - Interview mit Roland Kurz

Der erfahrene Skibergsteiger Mag. Roland Kurz ist Veranstalter der Mountain Attack und steht uns Rede und Antwort über Training, Ernährung und rund um das Thema „Bretter, die die Welt bedeuten“. Roland hat sein ganzes Leben dem Sport verschrieben: Er ist unter anderem Dozent in den Bereichen Sport- und Bewegungswissenschaften an der Universität Salzburg, staatlich geprüfter Skilehrer und Gründer und Geschäftsführer des Sport- und Eventunternehmens NMC GmbH. Er weiß also ganz genau, worauf es ankommt.

 

NÜRNBERGER Österreich (NVÖ): Erst einmal, vielen Dank, dass du während den Vorbereitungen zur Mountain Attack Zeit gefunden hast, mit uns zu plaudern.

Skibergsteigen entwickelt sich zu einem regelrechten Hype. Du bist in diesem Metier ein „alter Hase“, denn du organisierst die Mountain Attack heuer bereits zum 19. Mal. Erzähl uns doch etwas von den Anfängen der Mountain Attack und wie es sich zum wohl bekanntesten und härtesten Skitourenrennen Österreichs entwickelt hat.

Roland: Der Hype ist ungebrochen. 1999 bei der ersten Attack wurden viele Teilnehmer (und auch ich als Veranstalter) noch als „Verrückte“ oder „Spinner“ hingestellt, dieses Bild hat sich komplett verändert. Skibergsteigen ist eine anerkannte Sportart geworden, alle Einkommensschichten sind betroffen, und die Zielgruppe wird immer jünger – das ist sehr erfreulich.

Wir haben beim ersten Rennen mit 100 Startern gerechnet. Zwei Tage vor dem Rennen waren es 85 Anmeldungen. Am Veranstaltungstag wurden wir dann regelrecht überrollt. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Um Punkt 16:00 Uhr gingen 333 Athleten über die Startlinie, angeführt von zahlreichen starken Italienern, die zu dieser Zeit den Sport beherrscht haben. Übereifrig haben wir bereits kurz nach dem Startschuss an der Labestation am Schattberg (1. Gipfel) Tee und Bananen vorbereitet. Bis jedoch die Athleten eingetroffen sind, waren die Bananen gefroren und der Tee eiskalt, nicht ideal, wie man sich vorstellen kann. Dennoch waren alle von der Streckenführung beeindruckt, die Medien haben darüber berichtet, und die Teilnehmer haben uns darin bestärkt weiterzumachen. Wir haben im Team den Event im Detail analysiert, alle Kinderkrankheiten beseitigt und auch viel investiert, weil wir wussten, das hat Zukunft. Der Rest ist Geschichte! Am 13. Jänner 2017 findet die 19. Auflage der Hervis Mountain Attack statt.

 

NVÖ: Welche Ziele hast du für die nächsten 19 Mountain Attacks?

Roland: Zuerst gilt es die 19. Mountain Attack zur Zufriedenheit aller abzuwickeln. Natürlich denken wir auch bereits heute an das 20-jährige Jubiläum im Winter 2017/18 und die Folgejahre. Dabei wollen wir weiterhin unsere Nummer 1-Position als Tourenski-Kultveranstaltung stärken und weiterentwickeln, und alles unternehmen, damit sich die Athleten wohl fühlen. Das gelingt nur mit viel Engagement des gesamten Teams und der notwendigen Unterstützung unserer Partner. Meine Vision einer Live-Übertragung im TV werde ich weiterverfolgen.

Zusätzlich wollen wir (als Team) im Tourenskisport noch einiges bewegen, da ich der Meinung bin, dass Tourenskisport zukünftig eine extrem starke Rolle im österreichischen Wintertourismus einnehmen wird, und dies noch einiges an „Umdenken“ erfordert.

 

NVÖ: Ein Skitourenrennen ist auch mit Gefahren verbunden. Beispielsweise die Bergung aus unwegsamem Gelände oder ein notwendiger Krankentransport sind oft mit erheblichen Kosten verbunden und müssen häufig von den Betroffenen selbst bezahlt werden. Die NÜRNBERGER Versicherung schützt daher alle Teilnehmer der Mountain Attack mit der 24h Wintersport-Versicherung optimal vor unerwarteten Kosten. Wie wird das Sicherheits-Paket von den Teilnehmern angenommen?

Roland: Das von euch angebotene Paket ist mittlerweile ein wesentlicher Bestandteil unseres Rennens und unserer Philosophie geworden, und wird von den Startern sehr geschätzt. Viele sind „irgendwie“ versichert, aber mit dem im Startgeld inkludierten Sicherheits-Paket hat jeder auch den richtigen Schutz zur richtigen Zeit, wenn tatsächlich etwas passiert. Wir sind dennoch sehr glücklich, dass es bei unserem Rennen kaum Verletzte gibt, und das soll auch so bleiben.

 

NVÖ: Der Winter steht vor der Tür, das heißt die Tourenski können wieder ausgepackt werden. Wie sieht das Training eines Skibergsteigers aus, damit er fit für die kommende Saison ist? Wann fängt man mit dem Training an? Wie viele Stunden Training pro Woche werden absolviert?

Roland: Vorweg: Skibergsteigen ist wohl eine der härtesten Wintersportarten von allen, da neben den körperlichen Voraussetzungen noch zahlreiche weitere Aspekte leistungsbestimmend sind, wie zum Beispiel: Aufstiegstechnik, Abfahrtstechnik, Seehöhe, Temperatur, äußere Bedingungen etc.

Die Grundlagen der körperlichen Fitness werden schon im Sommer gelegt. Radfahren, Berglaufen und Skirollertraining sind ideale Sportarten zur Vorbereitung. Sobald es die Bedingungen zulassen, sollte mit dem Schneetraining begonnen werden. Die ersten Schritte finden meist ab Oktober auf dem Gletscher statt. Neben dem Schneetraining liegt jedoch der Focus auf Kraft-, Stabilisations- und Koordinationstraining.

Betreff Umfangs ist es schwierig hier eine konkrete Zahl zu nennen, denn der hängt sehr stark vom Basiszustand bzw. von den Zielen des Einzelnen ab. Unsere Top-Athleten vom La Sportiva Mountain Attack Team kommen auf 15 bis 20 Stunden pro Woche. Wichtig ist auf alle Fälle, dass auf die notwendige Regeneration nicht vergessen wird.

Bevor man mit dem Training startet empfiehlt es sich auf alle Fälle eine sportmedizinische Untersuchung zu machen. Dadurch erfährt man seinen aktuellen Trainingszustand, quasi das „Pickerl“ für den Körper, und kann gezielt Schwerpunkte setzen.

 

NVÖ: Die Trainingseinheiten sind sehr zeitintensiv. Wie kann man das Training optimal in den Tagesablauf integrieren?

Roland: Man muss seine Freizeit optimal nutzen, und das Training als fixen Punkt im Terminkalender planen. Um ohne „schlechtem Gewissen“ trainieren zu können, muss vor allem die Familie in das Projekt eingebunden sein. Durch die vielen Trainingsstunden leidet die gemeinsame Freizeit mit der Familie.

Da ja aber auch die Regenerationszeit sehr wichtig ist, empfehle ich, diese Zeit intensiv mit der Familie zu nutzen.

 

NVÖ: Wenn es Frau Holle im Winter einmal nicht so gut mit uns meint: Auf welche Trainingsmethode weicht man im Winter aus, wenn die Tourenski im Keller bleiben müssen?

Roland: Wenn es möglich ist kann man den Gletscher nutzen und hier einige Höhenmeter absolvieren. Alternative Trainingsformen sind auf alle Fälle Bergläufe und Skiroller Training.

 

NVÖ: Man sollte sich nicht nur physisch, sondern auch psychisch auf solch eine sportliche Herausforderung vorbereiten. Wie sieht das Training im mentalen Bereich aus?

Roland: Da man ja oft stundenlang alleine unterwegs ist, und meistens – bei optimaler Rennplanung – bereits langfristig weiß an welchen Wettkämpfen man im Winter teilnimmt, kann man die unterschiedlichsten Strecken beim Training bereits im Kopf durchgehen und sich überlegen wo man etwas verändern möchte und vor allem wo man noch Zeit herausholen kann.

Zusätzlich empfiehlt es sich bereits im Herbst an einigen Trainings-Wettkämpfen (eventuell Läufen etc.) teilzunehmen, um sich an die Rennsituation zu gewöhnen, im Besonderen an die Hektik am Start bzw. am Beginn der Rennen.

Herbsttraining heißt aber auch, wenn man berufstätig ist, viel Zeit im Dunkeln zu verbringen. Dann, wenn es sich die meisten Leute zu Hause gemütlich machen, müssen die Sportler wieder raus. Egal ob Regen, Wind, Schnee oder Kälte – auf morgen verschieben und somit auf besseres Wetter zu warten gilt nicht! Da spielt sich viel im Kopf ab. Ein Abendtraining im Sommer um 19:00 Uhr empfindet man ganz normal, wenn es hingegen stockfinster ist, ist es immer wieder eine Überwindung rauszugehen. Im Idealfall ist man mit einem Partner oder einem Team unterwegs, denn dann stärkt und motiviert man sich gegenseitig.

 

NVÖ: Leicht, leichter, am leichtesten: Wie wichtig ist das richtige Material?

Roland: Das Material spielt natürlich eine wesentliche Rolle, jedoch einige Gramm Unterschied sollten nicht überbewertet werden. Das wichtigste ist die Zuverlässigkeit des Materials. Man muss sich mit dem Material wohlfühlen und ein entsprechendes Vertrauen aufbauen, dass es bei allen Anforderungen top funktioniert. Zu viel „herumtesten“ verunsichert.

 

NVÖ: Um gute Zeiten zu erreichen, ist nicht nur das richtige Material entscheidend. Man sollte auch auf sein Gewicht achten. Müssen die Athleten einen bestimmten Essensplan einhalten? Oder darf nach den schweißtreibenden Trainingseinheiten nach Herzenslust gefuttert werden?

Roland: Die Zeit, in der man nach dem Training gegessen hat was und so viel man wollte, ist eigentlich vorbei. Es gilt einige Grundregeln zu beachten: kohlehydratreiche Ernährung bei intensiven Belastungen, und im Grundlagentraining die Kohlehydrate reduzieren eher hochwertige Fette und eiweißreiche Nahrung zu sich nehmen. Generell viel Obst und Gemüse essen. Man sollte sich jedoch auf keinem Fall kasteien.

 

NVÖ: Wir leben in Österreich in einem Skitouren-Eldorado. Welche Trainingsstrecken kannst du uns besonders empfehlen?

Roland: Unser schönes Alpenland bietet alle Möglichkeiten. Wir (unser Team) bewegen uns hauptsächlich im Salzburger Land. Wenn man möchte, kann man hier täglich (wenn es die Wetter-, Schnee- und Lawinensituation zulässt) eine tolle Skitour gehen. Zahlreiche Routen sind im Detail in Büchern und im Internet beschrieben. Auch die Abende können optimal zum Training genutzt werden. Hier empfiehlt es sich ausschließlich die Pisten zu nutzen, auf denen es ausdrücklich erlaubt ist abends zu gehen, zum Beispiel: Hallein – Dürrnberg auf den Zinken, Gaissau – Hintersee, St. Gilgen – Zwölferhorn, Abtenau – Karkogel, St. Johann – Hahnbaum, Maria Alm – Steinbockalm, Oberau – Roßfeld auf der bayrischen Seite etc.

 

NVÖ: Kannst du unseren Einsteigern zu guter Letzt noch ein paar Tipps geben? Welche Fähigkeiten braucht man um vom Genuss-Skitourengehen zum Skibergsteiger zu werden?

Roland: Der Genuss sollte immer im Vordergrund stehen. Was gibt es schöneres als im tief verschneiten Gelände mit guten Freunden Richtung Gipfel unterwegs zu sein. Und sind wir mal ehrlich: Jeder schaut auf die Uhr, wie lange er nach oben gebraucht hat und wie viele Höhenmeter es waren. Wenn man dann dieselbe Strecke an einem anderen Tag noch einmal geht, vergleicht man insgeheim auch seine Zeiten. Man wird feststellen, dass man nach mehreren Touren auch schneller und ausdauernder wird, und das gefällt jedem und motiviert zu weiteren Skitouren. Je öfter man also unterwegs ist, umso besser wird auch der individuelle Trainingszustand und die Entwicklung zum regelmäßigen Skibergsteiger hat begonnen. Weitere Schritte sind: richtige Materialauswahl, Aneignung von Wissen über Schnee, Wetter und Berge, Verbesserung des Grundlagentrainings und etwas auf die Ernährung achten.

 

NVÖ: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Training für die Mountain Attack - Interview mit Roland Kurz

 

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Bilder:

© NMC

Mehr Informationen zur Mountain Attack findet ihr hier.

 

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